Geschichte der Türschlösser

Die Geschichte der Schlösser ist – ganz abgesehen von der technischen Zweckmäßigkeit und dem Bestandteil der Dekoration – ein Teil der Verbrechens-Geschichte. Schon damals ließ die Frage nach Privatsphäre und Schutz vielen Idealisten keine Ruhe. So wurden Sie immer wieder vor die Herausforderung gestellt, neue Konzepte auszuarbeiten, welche nach dem damaligen Stand der Technik Dieben und anderen Scharlatanen das Öffnen dieser Schlösser unerreichbar machen sollten.
 
Bis es dabei zum heutigen Stand der Technik kam, dauerte es einige hundert Jahre. Eines der wohl ältesten Schloss-Examplare der Welt ist dabei das ägyptische Schloss auf Fallriegelprinzip, welches mehr als 4000 Jahre alt ist. Es galt als Basisprinzip für das Zylinderschloss.
 
linus Yale Jr. Schließzylinder
Linus Yale Junior heißt der Mann, der vor gut 160 Jahren mit der ersten Konstruktion eines Zylinderschlosses maßgeblich die gesamte Schlossindustrie beeinflusste. In Franklin County (Massachusetts) folgte er 1850 seinem Vater Linus Yale Senior ins Schloss-Geschäft. Dieser war ein bekannter, innovativer Schlosser und versuchte sich an seinen ersten Plänen zu einem Sicherheitsschloss auf Sperrstiftbasis. Sein Sohn entwickelte die Idee jenes so gennanten Pin-Tumbler-Lock weiter und orientierte sich dabei am ägyptischen Modell des Fallriegelschlosses, dem wohl ältesten Schloss der Welt.
 
Bis zu diesem Zeitpunkt waren Schlüssel meist rund, einige hundert Gramm schwer und 20 – 30cm lang. Der Grund der unhandlichen Länge war ein simpler: Türschlösser waren auf der Innenseite der Türen verbaut. So war es notwendig, den Schlüssel durch ein Loch zur Gänze durch die oft dicken Türen zu stecken, um damit das Türschloss erreichen zu können. Linus Yale Junior änderte das maßgeblich. Nach fünf Jahren Entwicklungszeit war das erste, voll funktionsfähige Zylinderschloss der Welt gebaut worden. Vier hintereinander angelegte Sperrstiftpaare waren direkt in einem Zylinder verbaut, welcher in die Türe eingesetzt wurde. Dadurch wurde die Länge des Schlüssels um ein Vielfaches verkürzt, er bekam eine flache Form und das Gewicht reduzierte sich um einige hundert Gramm.
 
Die Sperrstiftpaare sorgten mit ihren auf den Schlüsselbart angepassten Stiftlängen, dass nur ein einziger Schlüssel das Schloss öffnen konnte. Mit dieser Erfindung wurde der Grundstein für alle nachfolgenden Varianten des Zylinderschlosses gelegt. Die gemeinsame Arbeit von Vater und Sohn beeinflussten maßgeblich den Werdgang der Schlossindustrie. Praktisch alle in- und ausländischen Hersteller haben die Konstruktionspläne übernommen.
 
 

Entwicklung in Deutschland

Zur beinahe gleichen Zeit erhielt übrigens ein deutscher Schlosser Namens Karl Höller, aus Kaltenberg in Preußen ein Patent auf ein ähnlich angelegtes Schlossprinzip mit Stiftzuhaltung. Höller jedoch scheiterte dabei, das Patent zu realisieren.
 
Wir schreiben das Jahr 1855. Der Temperguss (ein Eisen-Kohlenstoff-Werkstoff) löst die Herstellung von Schloss-Einzelteilen durch Schmieden langsam aber sicher ab, da eine Herstellung in Tempergießereien billiger und effizienter ist. Die Schwerindustrie wächst heran, womit das Fundament für die zukünftige Schlossindustrie gesetzt wird. In den 1870er Jahren wurden die ersten Produktionshäuser für die Massenproduktion von Schlössern eröffnet. Die Stadt Velbert im heutigen Nord-Rhein-Westfalen wurde 10 Jahre später zum Mittelpunkt der deutschen Schlossindustrie, nachdem eine Ausstellung der Velberter Schlosshersteller den Namen der Stadt sowohl im In- als auch Ausland bekannt machte.
 
 
1920 gründet ein gewisser Alfred Lüling eine Handelsgesellschaft, welches vorläufig den Vertrieb des damals einflussreichen Schlossherstellers BURG übernimmt und mit der Zeit auch ins Ausland exportiert. Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs treten Lülings Söhne in die Firma ein und benennen sie zu BURG-WÄCHTER um. Ein Name, der bis heute besteht und in der dritten Generation geführt wird. Der Hauptsitz des Unternehmens ist (seit 1750) im westfälischen Wetter-Volmarstein. Das Logistik- und Entwicklungszentrum sowie alle Produktionsstätten sind in Meinerzhagen zu finden. BURG-WÄCHTER wird in Deutschland vor allem durch seine Vorhang- und Langbügelschlösser geschätzt und wird sowohl von privaten als auch gewerblichen Kunden hoch gelobt.
 
 
Zur etwa gleichen Gründerzeit wie von BURG-WÄCHTER wird ABUS geboren. Ein gewisser August Bremicker gründet das Unternehmen 1924 in Wetter. Es spezialisiert sich Anfangs auf Vorhängeschlösser. Bis heute hat sich die Produktpalette enorm ausgeweitet: Neben (elektronischen Tür)-Schlössern, Alarmanlagen, Rauchmeldern und Schließanlagen ist ABUS vor allem für seine Fahrradschlösser bekannt und darin auch Weltmarktführer. Die ABUS-Gruppe führt neben mehreren Produktionshäusern in Deutschland, Europa, Amerika und Asien 20 Auslandsstandorte. ASUS wurde 2012 zur „Marke des Jahrhunderts“ der Sparte Sicherheitstechnik gekürt.

 


Quellenangaben:
„Türschloß und Beschlag“ von Fr. W. Schlegel, erschienen 1952, beim Carl Lange Verlag – Duisburg
„Die Geschichte von Yale“, http://www.yalelock.de/de/yale/yale-startseite-de/uber-yale/die-geschichte-von-yale1, 12.04.2016
„Geschichte“ [Burg-Wächter] , http://www.burg.biz/html/default/ff80808221beafb6012254b829800191.de.html, 13.04.2016
„ABUS“, https://de.wikipedia.org/wiki/ABUS, 13.04.2016
Bild:
http://www.willenhallhistory.co.uk/society/locksandkeys.htm


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